Der Spiegel schreibt heute über Ameland, die Nachbarinsel von Schiermonnikoog:
Missbrauch bei Ferienfreizeit
Sadismus im Schlafsaal
Wieso tun Jugendliche anderen so etwas an, wieso werden sie nicht gestoppt? Teenager sollen bei einer Ferienfreizeit auf Ameland 13-jährige Jungen missbraucht haben. Die Organisatoren sind erschüttert und ratlos. Die mutmaßlichen Täter waren eigentlich zu alt für die Tour, durften nur auf Drängen der Eltern mit.
Den Artikel habe ich mit Interesse gelesen und verfiel dann in ein paar Zeilen Dialog mit einem User bei Facebook:
Auf der Nachbarinsel Schiermonnikoog, war es selbst schon 1982 keinen Deut besser unter den Kiddies und Jugendlichen, die dort mit der Caritas auf diesen Sommerferien-Freizeiten dabei waren. Auch da haben die Größeren die Kleinen geärgert, gequält, verhauen und unsittlich angefasst.
Ich frage mich was hat mann dne davon weas muss in solchen leuten vorgehen. wo liegt der reiz
Ich denke der Reiz liegt in der Macht des Stärkeren. Es sind ja letztendlich Kinder und noch keine “Leute”. Und vielleicht ist es so, dass wenn man sich in der Entwicklung befindet und manche schonin der Pubertät sind, sich das einfach unangenehm vermischt und man dann auch seine Grenzen austestet. Da schlagen ältere Kinder jüngere, weil sie es einfach können und sich keiner traut den Mund aufzumachen. Wenn dann noch Sexualität mit ins Spiel kommt, schweigt man ned nur aus Angst, sondern auch noch aus Scham. Auch bei uns hat die Nachtwache nichts von den nächtlichen Aktivitäten mitbekommen und während der “Ruhezeiten” zur Mittagszeit war mehr “los”, als sonst am Tag
Meine Erfahrungen damals auf Schier haben mich für den Rest meines Lebens geprägt. Ich wusste dadurch als Kind schon, wie ich niemals werden will.
Den Betreuern aber einen Vorwurf zu machen halte ich für falsch, denn die bekommen es tatsächlich nicht mit. Wie Schlosshund weinende Kinder werden getröstet, die Betreuer versucht auch zu begreifen, was denn passiert sein könnte oder einem fehlt – aber als Betroffener sagt man halt nichts, weil es sonst nur schlimmer wird. Und wenn man sich zur Wehr setzt, ist der Spiess schnell umgedreht. Als ich in Notwehr und Panik einen der älteren von der Zimmerbrüstung sties, war ich nachher plötzlich der Böse. Da hielten dann drei Täter einfach zusammen und drehten den Spiess um
Da sitzt man dann mit seinen 12 Jahren und wundert sich, hält den Mund und Abstand. Das schöne an Sommerferien-Freizeiten auf einsamen holländischen Nordsee-Inseln ist, dass man Tagelang in den Dünen nächtigen kann. Bei Gruppenaktivitäten hat man dann keine Lust mehr, bleibt lieber im Zimmer, wo man sich einschliessen kann und wenn die anderen wieder ins Zimmer kommen, versucht man sich so schnell wie möglich irgendwohin abzusetzen, wo man seine Ruhe hat.
Zieht man sich aber zurück, gilt man als auffällig. Setzt man sich von der Gruppe ab und nimmt nicht mehr teil, ist man ein Querulant. Man steht dann unter “Beobachtung” durch den Gruppen-Betreuer. Einer für 15-30 Kiddies.. Da wird man dann auch beim “zum Strand laufen” mal kurz von anderen Verhauen – und wenn dann dem Betreuer der Tumult auffällt, sieht er vielleicht gerade noch, wie das Opfer versucht sich zu wehren, und dann iss klar: das Opfer ist der Böse – war ja eh schon auffällig und sonderlich
Auf Ameland war ich selbs noch nicht – Auf Schiermonnikoog war ich als Kind mit diesen Sommerferien-Freizeiten die die Caritas dorthin veranstaltet hat, sehr oft – 7 mal oder so – teils mit meiner jüngeren Schwester, teils alleine. Ich liebe diese Insel – ich gehe seit ein paar Jahren dort wieder mit Freunden hin, oder mit meinem Partner. Jede Ecke dort hat eine Bedeutung für mich. Der alte deutsche Bunker, der Süsswassersee, das alte Ferien-Wohnheim, was inzwischen zu einem Wohnheim für Behinderte und alte Menschen gemacht wurde, die kleinen Ladengeschäfte. Jeder Stein dort hat seine Geschichte. Wenn man als 12 jähriger mit Suizidgedanken weinend über die muschelbekiesten Wege gehst, wenn du dir selbst unter Schmerzen schwörst niemals körperliche Gewalt gegenüber einem anderen Lebewesen anzuwenden, niemals so zu werden wie deine “Kameraden”, dann hast du mit Mitte Dreissig einfach Bezugspunkte, die einen spontan besonders emotional werden lassen. Da gucken dann die Mitreisenden manchmal etwas komisch, wenn man mit Tränen in den Augen vor einem Markierungsstein steht und wundern sich. Wird wohl die Schönheit der Insel sein… sie ist wirklich herrlich – man kann stundenlang darauf verloren gehen, ohne verloren zu gehen.